Die gefährliche Illusion zufriedener Kunden und warum das Kundenwert-Portfolio genauer hinschaut
Ein hoher Zufriedenheitswert kann sich gut anfühlen – wie ein sicherer Hafen im Kundenmanagement. Bis Kunden plötzlich wechseln, Empfehlungen ausbleiben oder Wachstumspotenziale verfehlt werden.
Dann wird sichtbar, dass Kundenzufriedenheit zwar eine wichtige Leistungsperspektive ist, aber noch keine belastbare Aussage darüber trifft, welche Kundenbeziehungen tatsächlich Wert schaffen.
Im letzten FANOMICS-Wissen-to-go-Beitrag ging es bereits um den Fan-Indikator: Er fasst Identifikation und wahrgenommene Einzigartigkeit als Voraussetzungen fan-typischer Beziehungsqualität zusammen. Stellt man ihn der Kundenzufriedenheit gegenüber, entsteht das Kundenwert-Portfolio.
Das Kundenwert-Portfolio zeigt also nicht nur, wie zufrieden Kunden sind. Es zeigt, welche Art von Beziehung hinter dieser Zufriedenheit steht – inkl. ihrer Wertigkeit. Aus dieser Kombination entstehen Kundengruppen, die für Unternehmen sehr unterschiedlich zu bewerten sind. Am wertvollsten sind dabei die Fan-Kunden.
▪️Fan-Kunden sind hochzufrieden und hoch verbunden. Sie identifizieren sich mit einem Anbieter, erleben ihn als einzigartig und zeigen Verhaltensmuster, die für Unternehmen wirtschaftlich entscheidend sind: Loyalität, Weiterempfehlung, Vertrauen, geringere Preissensibilität und Entwicklungspotenzial.
▪️Sympathisanten sind zufrieden und grundsätzlich verbunden, aber noch keine echten Fans. Sie mögen den Anbieter, bleiben häufig treu und bilden damit eine wertvolle Wachstumsreserve.
▪️Söldner-Kunden sind hochzufrieden, aber nicht gebunden. Sie bewerten die Leistung positiv, erkennen jedoch keinen besonderen Unterschied und bleiben deshalb für den Wettbewerb erreichbar.
▪️Gefangene sind gebunden, aber unzufrieden. Sie bleiben noch, weil Gewohnheit, Wechselhürden oder frühere Nähe wirken; wird die Leistung nicht verbessert, kann aus Bindung jedoch Enttäuschung werden.
▪️Gegner sind weder zufrieden noch gebunden. Sie haben sich innerlich gelöst und können ihre Enttäuschung aktiv nach außen tragen.
Damit macht das Kundenwert-Portfolio sichtbar, was ein Durchschnittswert zur Zufriedenheit verdeckt: Kundengruppen können ähnlich zufrieden wirken und dennoch völlig unterschiedliche Konsequenzen für Loyalität, Empfehlung, Preisbereitschaft und künftigen Kundenwert haben.
Insbesondere hier liegt die Abgrenzung zwischen klassischem Zufriedenheitsmanagement und FANOMICS.
Zufriedenheitsmanagement ordnet die Leistungsbewertung ein.
FANOMICS bewertet die daraus entstandene Kundenbeziehung und ihren wirtschaftlichen Wertbeitrag.
Für Unternehmen ist diese Unterscheidung zentral, weil Ressourcen sonst dort investiert werden, wo Zufriedenheit steigt, aber nicht zwingend Kundenwert entsteht.
Wer den Kundenwert steigern will, muss erkennen, welche Beziehungen tragen, welche nur scheinbar stabil sind und wo aus Zufriedenheit echte Fan-Beziehungen werden können.
